Bayerisches Pilotprojekt

© Landratsamt Pfaffenhofen a.d. Ilm - Beim Unterzeichnen der Verrträge: Rohrbachs Bgmst. Dieter Huber, Landrat Martin Wolf, BKLS-Vorsitzender Walter Heidl und Erschließungsträger Hans Baierl (von rechts)
 
Produktionsintegrierte Kompensation mit der Bayerischen KulturLandStiftung

Pfaffenhofen a.d. Ilm: Ein Pilotprojekt für naturschutzfachliche Kompensation ist im Landkreis Pfaffenhofen (Oberbayern) gestartet worden. Ziel wird es sein, dem Landwirt auf seiner eigenen Fläche flexible Konzepte anzubieten um ökologische Maßnahmen in seine intensive bewirtschaftete landwirtschaftliche Nutzfläche zu integrieren.

Für das erste gemeindeübergreifende Gewerbegebiet Bruckbach (Landkreis Pfaffenhofen), soll die sogenannte produktionsintegrierte Kompensation (Pik) in der Praxis getestet werden: Landwirte bekommen dabei Ausgleichszahlungen für Naturschutzmaßnahmen auf ihren bewirtschafteten Flächen – etwa Ackerrandstreifen, Kiebitzinseln oder Saaten im doppelten Reihenabstand. Es werden somit Rückzugs- und Verbindungslebensräume für gefährdete Tierarten geschaffen. Möglich macht das die Bayerische Kulturlandstiftung (BKLS) in Zusammenarbeit mit Landwirten, der Pfaffenhofener Trend-Gruppe als Erschließungsträger, den beteiligten Kommunen, dem Landkreis mit der Unteren Naturschutzbehörde, dem Bayerischen Bauernverband (BBV) und der Regierung von Oberbayern.

„Das ist nicht irgendein Feigenblatt – wir reden über ganz konkrete naturschutzfachliche Maßnahmen“, erklärt BKLS-Vorsitzender Walter Heidl. Ziel sei es, landwirtschaftliche Nutzflächen zu erhalten. „Was wir benötigen sind flexible Modelle, die dem Landwirt je nach betriebswirtschaftlicher Ausrichtung eine Möglichkeit bieten sich für naturschutzfachliche Maßnahmen zu engagieren. Wohl überlegt und gemeinsam entwickelt“, betont er. „Hier muss die Langfristigkeit im Vordergrund stehen.“

Das Bundesnaturschutzgesetz regelt, dass Eingriffe in die unbebaute Landschaft, etwa durch neu ausgewiesene Bau- oder Gewerbegebiete, mit ökologischen Ausgleichsflächen kompensiert werden müssen. In der Praxis bedeutet das bisher, dass der Erschließungsträger von Landwirten Grundstücke kauft und diese dann nach einem naturschutzfachlichen Entwicklungsziel pflegt und und innerhalb seiner Verpflichtung zur Kompensation zur Verfügung stellt.
Im Fall Bruckbachs, dessen erster Bauabschnitt 23 Hektar umfasst, hätten rund 7,8 Hektar als Ausgleichsfläche ausgewiesen werden müssen.

Doch im Zuge des Pilotprojekts soll auf zwei Hektar nun das Pik-Modell erprobt werden: „Auf diesen Flächen, auf denen die landwirtschaftliche Produktion weiterläuft, werden Maßnahmen für Umwelt-, Natur- und Artenschutz realisiert“, erklärt Landrat Martin Wolf (CSU). Die Kulturlandstiftung bekommt dafür vom Erschließungsträger des jeweiligen Baugebiets die finanzielle Ausstattung und verwaltet dieses treuhänderisch über den Verpflichtungszeitraum von 25 Jahren. Damit finanziert die BKLS 25 Jahre lang die Zahlungen an Landwirte für Ertragsverluste und Mehraufwand, die aufgrund der Naturschutzmaßnahmen zu Buche schlagen. Die Stiftung entwickelt in Abstimmung mit der Unteren Naturschutzbehörde und den Landwirten passende Naturschutzmaßnahmen und berät die Landwirte in der Umsetzungsphase. Dafür werden Fünf-Jahres-Verträge geschlossen.

Koordiniert wird all das von der BKLS: „Wir verstehen uns dabei als Motor, der die verschiedenen die vielen verscheidenen Interessen in ein schlüssiges naturschutzfachliches und langfristig durchführbares Konzept überführt. Dabei beraten wir alle Beteiligten und unterstützen sie bei der langfristigen Umsetzung“,erklärt Projektleiter Dominik Himmler.

Laut Wolf bietet die produktionsintegrierte Kompensation nicht nur für Landwirte, sondern auch für den Naturschutz Vorteile: Anstatt irgendwelche Flächen brach liegen zu lassen, könne man gezielt für die Ilmauen sinnvolle Naturschutzprojekte umsetzen. Im konkreten Fall wären das etwa Projekte zum Schutz von Kiebitz, Rebhuhn oder Heidelerche. Landwirte könnten etwa unbesäte Flecken in den Weizenfeldern zum Brüten freilassen oder bestehende Biotope durch Grünstreifen
verbinden. „Für den Naturschutz ist das eine große Chance“, sagt Landrat Wolf. Und gleichzeitig könnten die Landwirte die betreffenden Grundstücke mit ökologischen Maßnahmen anreichern. „Ökonomischer Nutzen und ökologischer Wert schließen sich in diesem Fall nicht aus“, betont dazu auch BBV-Kreisobmann Max Weichenrieder. Angetan zeigt sich auch der Vertreter des Zweckverbands Bruckbach, Rohrbachs Bürgermeister Dieter Huber (SPD): „Wenn es funktioniert,
kann man damit viele Fliegen mit einer Klappe schlagen.“ Denn auch den Kommunen, denen es immer schwerer falle, an Ausgleichsflächen zu kommen, sei geholfen. Flexibler ist das System auch für die Erschließungsträger neuer Bau- und Gewerbegebiete. „Neben dem positiven Effekt, dass die Flächen zur landwirtschaftlichen Nutzung erhalten bleiben, macht es auch uns Projektentwicklern die Arbeit leichter“, sagt Hans Baierl, der für die Erschließung Bruckbachs verantwortlich zeichnet.

Das Projekt soll darüber hinaus wichtige Erkenntnisse liefern, wie man flexible Modelle der produktionsintegrierten Kompensation aufbauen kann und mit welchen Herausforderungen bei der Umsetzung gerechnet werden muss.

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