Demonstrationsbetrieb F.R.A.N.Z. besichtigt

Politiker diskutierten über die Möglichkeiten in der Landwirtschaft sich für die Biodiversität zu engagieren.
Der Landwirt im Allgemeinen, wird heute von vielen Verbrauchern zum Sündenbock gemacht, wenn er liest: „Fischsterben durch Gülle“. „Pestizide vergiften unsere Nahrung“. „Landwirte sind die größten Umweltsverschmutzer“ und andere Hiobsbotschaften. Und schon hat sich der Laie seine eigene Meinung gebildet und wirft alle Landwirte in einen Topf.
 
Dass aber der Landwirt einen großen Anteil für den Naturschutz leistet, entgeht den meisten von ihnen, weil darüber kaum etwas öffentlich gemacht wird. Durch Bebauung der Felder und Weidehaltung schufen die Landwirte über Jahrhunderte hinweg eine Kulturlandschaft, durch welche den unzähligen Tier- und Pflanzenarten entsprechender Lebensraum zur Verfügung steht. Erst durch die neuzeitliche intensive Ausweitung und Spezialisierung der Landwirtschaft ist dieser Zustand gefährdet. Sah man früher noch Hecken und von einer üppigen Blumen- und Kräutervielfalt gesäumte Ackerränder, so sind diese Elemente vielfach verloren gegangen und damit auch der Lebensraum für Tiere und Pflanzen.

© BKLS, Die Säulen dienen der Information
Auf dem Demonstrationsbetrieb von Betriebsleiter Friedhelm Dickow in Ruhsam, wird Naturschutz, soweit es sich mit dem Betriebsablauf vereinbaren lässt, umgesetzt und angewendet. Der Demonstrationsbetrieb baut auf knapp 70 Hektar Fläche Weizen, Gerste, Mais und Kleegras an. Darüber hinaus werden zurzeit 120 Bullen sowie 1.600 Ferkel gehalten. In einer gemeinschaftlichen Biogasanlage wird Wärme und Ökostrom erzeugt. Friedhelm Dickow und sein Sohn Sebastian, der erst vor ein paar Tagen die Prüfung zum Landwirtschaftsmeister abgelegt hat, konnten sich für das Projekt F.R.A.N.Z. gewinnen lassen. Dabei geht es, eine Verbindung herzustellen, zwischen Landwirtschaft und Naturschutz. Um der Natur wieder den notwendigen Lebens- und Entwicklungsraum zu gewähren, werden im Rahmen dieses Projektes verschiedene Maßnahmen umgesetzt. Diese verfolgen drei Ziele. Sie müssen naturschutzfachlich sinnvoll, praxistauglich, aber auch wirtschaftlich tragfähig für den Betrieb sein.

Auf dem Demonstrationsbetrieb Dickow sind bereits folgende Maßnahmen umgesetzt worden:
Es wurden, entlang der Anbauflächen, Blühstreifen mit niedrigwüchsigen, autochtonen (einheimischen) Wildarten, sowie langanhaltender Blühzeit angelegt. Sie bieten Nahrung und Lebensraum für Insekten und Bodenbrüter. Besondere Beachtung gilt der Feldlerche als bedrohte Vogelart. Diese Blühstreifen in Verbindung mit angelegten Lerchenfenstern in den Weizenfeldern als Landeplatz, sollen den vorhandenen Lerchenbestand verbessern. Weitere Blühstreifen die höherwüchsig sind, wurden als Wildacker-, Wildäsung- und Wilddeckung angelegt, um den Lebensraum für Niederwild wie Feldhasen, Fasanen oder Rebhühner zu verbessern. Ein Teil dieser Flächen wird als Futter für die Biogasanlage genutzt. Blühende Vorgewende - so bezeichnet man den Randbereich von Feldern, auf denen mit landwirtschaftlichen Geräten gewendet wird - bestehen aus einer Leguminosenmischung (Hülsenfrüchtler) mit 12 Arten zur Aufwertung ertragsschwächerer Flächen – und bedeutet für Insekten, Feldvögel und Amphibien Nahrungsstabilität.
© BKLS, Eine reiche Artenvielfalt hat sich auf den Blühstreifen entwickelt
Eine weitere, bereits umgesetzte Maßnahme ist die Aussaat von Getreide mit Untersaat. Diese Untersaat besteht aus 12 Kleearten und dient als Nahrungsgrundlage für Bestäuber und als Errosionsschutz.
Auch die Grünlandextensivierung wurde auf kleineren Wiesnflächen umgesetzt. Die Initiatoren des F.R.A.N.Z.- Projektes sind die Umweltstiftung Michael Otto und der Deutsche Bauernverband (DBV). An diesen umfangreichen Maßnahmen sind verschiedene Organisationen beteiligt. Der Naturschutzbund (NABU), die Georg-August-Universität Göttingen und die Thünen-Institute für ländliche Räume und
© BKLS
Betriebswirtschaft sind für die wissenschaftliche Begleitforschung zuständig. Die Bayerische Kulturlandstiftung stellte den Kontakt mit den Betrieben her und ist der betreuende Ansprechpartner der Projektbetrieb in Bayern. Die Schirmherrschaft haben das Bundesumweltministerium und das Bundeslandwirtschaftsministerium. Die Finanzierung erfolgt über die landwirtschaftliche Rentenbank in Unterstützung durch die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE), dem Bundesamt für Naturschutz (BfN), sowie durch die Bundesministerien.

F.R.A.N.Z. ist das Kürzel und bedeutet: „Für Ressourcen, Agrarwirtschaft & Naturschutz mit Zukunft“ und entwickelt effiziente Naturschutzmaßnahmen und Bewirtschaftungskonzepte. Auf zehn Demonstrationsbetrieben in ganz Deutschland – dazu gehört auch der Betrieb von Friedhelm Dickow – werden Maßnahmen erprobt, die dem Naturschutz dienen, aber auch praxistauglich und wirtschaftlich tragfähig sind. Sie sollen die Vielfalt an Tier- Pflanzenarten in der Agrarlandschaft fördern. Um möglichst viele Landwirte hierfür zu gewinnen, fand auf dem Areal in Ruhsam am vergangen Montag eine 2-stündige Felderbegehung statt, bei der sich die BBV-Obmänner aus dem Landkreis Dingolfing-Landau persönlich von den bereits umgesetzten Maßnahmen und deren Ergebnissen, überzeugen konnten. Friedhelm Dickow führte die Gruppe an die entsprechenden Geländepunkte und gab dazu informative Erklärungen ab. Für viele der teilnehmenden Landwirte eine beeindruckende Demonstration, wie sich Naturschutz auch in der Landwirtschaft nachhaltig durchsetzen lässt. Friedhelm Dickow stellt abschließend fest: „Mich hat fasziniert, dass hier etwas gemeinschaftlich entwickelt wird, was Landwirtschaft und Naturschutz zusammenführt.“ Eine nachahmenswerte Entscheidung, die aber auch ein wenig Mut von ihm erforderte. Das Ergebnis allerdings gibt ihm die Sicherheit, richtig entschieden und entsprechend gehandelt zu haben.
 
Quelle: Herbert Colling, Dingolfinger Anzeiger
 
Die Pressemitteilung der KulturLandStiftung finden Sie hier zum Downloaden
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