Feldhamsterschutz in Bayern

Der Feldhamster (Cricetus cricetus) war bis in das 20. Jahrhundert in West- und Mitteleuropa weit verbreitet. Als ursprünglicher Steppenbewohner ist er an offene Fluren angepasst und als typischer Kulturfolger in Ackerbauregionen anzusehen. Auch in Bayern war er in den Gäulandschaften, insbesondere in den unterfränkischen Getreideanbaugebieten häufig anzutreffen.
 
Feldhamster "stark gefährdet"

Bis in die 1980er Jahre wurde der Feldhamster als Ernteschädling betrachtet und bekämpft. Dies sowie die zunehmende Technisierung und Intensivierung der
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Landwirtschaft, aber auch der klimatische Wandel führte zu einer alarmierenden Schrumpfung seiner Verbreitungsgebiete und Bestände. Während er in Deutschland als „vom Aussterben bedroht“ klassifiziert wird, ist die Situation in Bayern zwar etwas besser, allerdings muss der Feldhamster in seinen noch verbliebenen bayerischen Verbreitungsgebieten in Unterfranken (Landkreise Schweinfurt, Würzburg und Kitzingen) und Oberfranken (Landkreis Hof) inzwischen auch als „stark gefährdet“ angesehen werden. Im letzten EU-Bericht zur FFH-Richtlinie wird dem Feldhamster in Deutschland ein „ungünstiger Erhaltungszustand“ bescheinigt. Aufgrund dessen muss gerade der Feldhamsterschutz in Bayern verstärkt werden.

Feldhamsterhilfsprogramm (FHP)

Aufgrund dieser prekären Situation wurden in den letzten Jahren vermehrt Maßnahmen zum Feldhamsterschutz durchgeführt. Neben dem defensiven Artenschutz (u.a.
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Vermeidungs- und Ausgleichsmaßnahmen), wird im Rahmen des konstruktiven Artenschutz das seit 2001 bestehende Feldhamsterhilfsprogramm (FHP) durchgeführt. Im Rahmen dieses Programms wurden 2013 erneut Schritte unternommen. Dieses umfasst die Möglichkeit durch produktionsintegrierte Maßnahmen den Feldhamster zu fördern.
Während in den Landkreisen Würzburg und Kitzingen der Landschaftspflegeverband Würzburg bzw. der Landesbund für Vogelschutz (Kitzingen) die Betreuung des Programms durchführten, engagierte sich die Bayerische KulturLandStiftung im Landkreis Schweinfurt. Im Rahmen der Umsetzung des FHP konnten hier mehrere Landwirte für die Maßnahme gewonnen werden.

Das FHP gliedert sich in drei Maßnahmenmodule, wobei im Jahr 2013 lediglich das Modul FHP 3 „Flexible Getreidestreifen“ durchgeführt wurde (FHP 1: Luzerne-Getreide-
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Mischanbau, FHP 2: Ernteverzicht auf einem Getreidefeld auf mindestens 25 Prozent eines Feldstückes). Beim FHP 3 verzichteten die teilnehmenden Landwirte auf die Beerntung von fünf bis acht Meter breiten Streifen auf geeigneten Feldstücken. Diese Streifen dienten dem Feldhamster als Refugium, in denen er vor der Winterruhe Baue und Vorräte anlegen konnte. Insgesamt wurden dreizehn Getreidestreifen mit einer Gesamtfläche von 2,023 ha angelegt und gemäß dem FHP 3 bewirtschaftet Bis auf einen Streifen mit Hafer handelte es sich ausschließlich um Winterweizenbestände.
Bei der Auswahl der Feldstücke sollten bestimmte Abstände zu topographischen oder siedlungsbezogenen Objekten eingehalten werden. Ansonsten konnten die Landwirte die Streifen flexibel in ihrer Flur anlegen. Ab dem 1. Oktober konnten die Streifen wieder in die landwirtschaftliche Bearbeitung genommen werden.

Objekt
Abstand
in m
Siedlungs- bzw. Ortsrand
250
Stark befahrene Straße oder Bahnlinie
 250
 Bewohnte Gebäude im Außenbereich
 250
 Permanent wasserführende Gewässer
 250
 Entwässerungsgräben
 100
 Wälder, Hecken, Gehölze
 250
Nächste Antragsfläche des FHP
 100
Tabelle 1: Abstände zu topografischen oder siedlungsbezogenen Objekten
 
 
Vergütung für die Landwirte

Der Ernteverlust bzw. der Mehraufwand wurde den Landwirten entsprechend vergütet. Gefördert wurde die Maßnahme aus Mitteln des Bayerischen Biodiversitätsfonds, die vom Sachgebiet Naturschutz der Regierung von Unterfranken zur Verfügung gestellt wurden. Diese leistete neben dem Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Würzburg auch fachliche Unterstützung.

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In mehreren Begehungen Ende September bzw. Anfang Oktober konnten auf den Streifen mehrere Baue zweifelsfrei festgestellt werden. Auf mehreren Flächen wurde die Erfassung aufgrund liegenden Getreides erheblich erschwert. Es kann aber davon ausgegangen werden, dass die Anzahl der Baue noch höher angesetzt werden kann. Somit kann diese produktionsintegrierte Maßnahme als durchaus erfolgreich angesehen werden. Neben den offensichtlichen Spuren der „Feldhamstertätigkeit“ konnten auch Hinweise auf andere Tierarten gefunden werden. Neben Rehen, Feldhasen und Feldmäusen ließen sich Fährten von Füchsen feststellen. Dies unterstreicht deutlich die Multifunktionalität der „Hamsterstreifen“ hinsichtlich der Schaffung und Vernetzung von Rückzugsräumen und Biotopen in einer ansonsten weitgehend ausgeräumten, ackerbaulich genutzten Flur.

Für das Jahr 2014 sind weitere Mittel für den Feldhamsterschutz bewilligt. Die Bayerische KulturLandStiftung ist sehr zuversichtlich das landwirtschaftliche Engagement im Feldhamsterschutz ausweiten und das Programm als festes Element eines modernen, produktionsintegrierten Artenschutzes etablieren zu können.

Ansprechpartner bei der BayerischenKulturLandStiftung für das Hamsterprojekt ist Dominik Himmler (Tel.: 089 590 682 915, dominik.himmler@bayerischekulturlandstiftung.de).

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