Die Bauernflüsterin der KulturLandStiftung

„Wir müssen mit den Machern Hand in Hand arbeiten. Denn die Artenvielfalt lässt sich nicht vom Schreibtisch aus retten.“
© R. Aichinger, Hier beginnt die Veränderung
Monokultur, Überdüngung, Ackergift - die intensive Landwirtschaft bedroht die Artenvielfalt, und der Schuldige steht scheinbar fest. „Viele Landwirte fühlen sich zum Staatsfeind Nummer eins stilisiert“, sagt Claudia Kriegebaum, „aber die Wahrheit ist komplizierter: Zwischen Effizienzdruck und bürokratischen Vorgaben gibt es nur wenig Möglichkeiten zur Förderung der Artenvielfalt bei gleichzeitig intensiver Bewirtschaftung.“ Wie Landwirtschaft und Naturschutz trotzdem zusammenkommen können, erprobt die Biologin mit konventionellen Betrieben. Kriegebaum ist eine Art Bauernflüsterin der Bayerischen Kulturlandstiftung, die das bundesweite Projekt „Für Ressourcen, Agrarwissenschaft und Naturschutz mit Zukunft“, kurz „Franz“, mitgestaltet.
Zehn Bauernhöfe in ganz Deutschland testen seit 2017, wie sich der Schutz und Ausbau von Lebensräumen ohne größere wirtschaftliche Einbußen in ihre Arbeit integrieren lässt. Die Idee dazu hatten der Deutsche Bauernverband und die Michael-Otto-Umweltstiftung. Das Programm soll die Fronten zwischen Naturschützern und Landwirten aufweichen.

Kriegebaum begleitet bisher zwei Betriebe in Bayern auf ihrem Weg zu einer grüneren Wirtschaftsweise. „Unser Landwirt in Niederbayern hat etwa zwölf Meter breite Blühstreifen ausgesät, in denen die seltene Feldlerche brütet und andere Wildtiere Nahrung und Zuflucht finden“, sagt die 36-Jährige. Teile der Mahd verwertet der Bauer später in der Biogasanlage - das macht Mindereinnahmen teilweise wieder wett. Und indem er auf dem Getreideacker auch Klee anbaut oder zwischen Mais pflanzen Bohnen sät, verlängert er die Blühzeit der Felder und hilft den Insekten. Kleine Schritte auf dem Weg zur Agrarwende.

Es gebe keine bessere Werbung als einen Landwirt, der sich über ein blühendes Feld freut und anderen davon erzählt, sagt Kriegebaum. Ihr Credo: „Wir müssen mit den Machern Hand in Hand arbeiten. Denn die Artenvielfalt lässt sich nicht vom Schreibtisch aus retten.“
 
Quelle: Julia Lauter, greenpeace-magazin
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