Schleppertour

Bäuerinnen und Bauern engagieren sich für Artenvielfalt - Schleppertour macht Station in Ruhsam
© Dingolfinger Anzeiger, BBV Schleppertour im Lkr. Rottal-Inn
Mit einer Schleppertour macht der Bayerische Bauernverband in diesem Sommer auf das Engagement der Landwirtschaft für die Artenvielfalt aufmerksam. Auf seiner Strecke durch Bayern macht der vom Landmaschinenhersteller Deutz-Fahr gesponserte Traktor vom Typ 6130 TTV mit 130 PS an verschiedenen Stationen und Projekten Halt. Sie alle haben eines gemeinsam, sie zeigen die Bereitschaft, sich für die Artenvielfalt einzusetzen. Ob es um Bienen und Insekten geht, um bedrohte Arten wie Lerchen oder Feldhamster, die Haltung alter Haus- und Nutztierrassen oder den Anbau alter Obst- und Gemüsesorten – Bayerns Bäuerinnen und Bauern nehmen den Artenschutz ernst. Die BBV-Schleppertour will diesen Einsatz aufzeigen. Anhand verschiedener Beispiele will man zeigen, wieviel Herzblut in diese Arbeit zum Erhalt der Artenvielfalt gesteckt wird. Am Mittwoch war der mit Blütenmotiv bedruckte Traktor auch im Landkreis Dingolfing-Landau, nämlich auf dem Betrieb von Friedhelm Dickow in Ruhsam.

Was wir für die Biodiversität bereits leisten

„Es wird oft übersehen, wieviel die Bauern speziell in unserem Landkreis schon an Maßnahmen umsetzen. Deshalb ist es mir besonders wichtig, der Bevölkerung zu erklären und aufzuzeigen, was wir für die Biodiversität bereits leisten“. In Bayern nimmt jeder zweite landwirtschaftliche Betrieb freiwillig an Kulturumweltmaßnahmen teil. Jeder vierte Hektar oder anders ausgedrückt, 25 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche (3,1 Millionen Hektar in Bayern) befinden sich in Programmen, die die Artenvielfalt und Natur schützen. 2018 haben die bayerischen Landwirte mehr als 800.000 Hektar in staatlich geförderten Kulturlandschaftsprogrammen eingebracht. Weitere 230.000 Hektar unterliegen dem Greening. Am besonders ökologisch wertvollen Vertragsnaturschutz beteiligen sich die Landwirte mit 100.000 Hektar.

Für Ressourcen, Agrarwirtschaft & Naturschutz mit Zukunft

© Dingolfinger Anzeiger, BBV Schleppertour im Lkr. Rottal-Inn
Hinzu kommen noch freiwillig angelegte und nicht geförderte Blühstreifen sowie Flächen für Blühpatenschaften. Im Rahmen der Schleppertour stellte Friedhelm Dickow seinen Betrieb sowie das „F .R.A.N.Z-Projekt“ und die von ihm angebotenen Blühpatenschaften näher vor. Dr. Claudia Kriegebaum (Bayerische KulturLandStiftung) stellte das „F.R.A.N.Z-Projekt“ im Grundsätzlichen vor. F.R.A.N.Z steht „Für Ressourcen, Agrarwirtschaft & Naturschutz mit Zukunft“ und hat es sich zum Ziel gesetzt , Maßnahmen zu entwickeln und zu erproben, die die Artenvielfalt in der Agrarlandschaft erhalten und erhöhen. Zehn Betriebe in ganz Deutschland und mit unterschiedlichsten Betriebsausrichtungen sind an diesem Projekt beteiligt. Damit werden die regionalen Besonderheiten und die verschiedenen Herausforderungen zwischen Landwirtschaft und Naturschutz widergespiegelt. Die Projektleitung obliegt dabei der Michael Otto Stiftung für Umweltschutz und dem Deutschen Bauernverband. In der Begleitforschung sind das Thünen-Institut für Biodiversität, Betriebswirtschaft und Ländliche Räume, die Universität Göttingen und das Michael-Otto-Institut im NABU vertreten.

Biodiversitätsfördernde Maßnahmen -
„die Artenvielfalt lässt sich nicht vom Schreibtisch retten!“

Auf sieben Hektar werden am Betrieb Dickow biodiversitätsfördernde Maßnahmen umgesetzt. Drei Maßnahmen rotieren dabei jährlich, nämlich die Feldlerchenfenster, das Mais-Stangenbohnen-Gemenge sowie das Wintergetreide mit Kleeuntersaat. Fünf Maßnahme werden an festen Standorten umgesetzt, nämlich der Blühstreifen als Feldlerchenbrutplatz, der Blühstreifen für die Biogasanlage, der Blühstreifen Vorgewende, die regionale Wildartenwiese sowie die Grünlandextensivierung. Dr. Claudia Kriegebaum ging dabei auf weitere Details ein, wie das verwendete Saatgut, die Bewirtschaftung und die Auswirkungen auf die Biodiversität. Bei vielen Maßnahmen wird Wert auf autochthones Saatgut gelegt. Sie stellte die Maßnahmen im Detail vor und betonte, „die Artenvielfalt lässt sich nicht vom Schreibtisch retten!“. Deutlich sei erkennbar, dass sich die Maßnahmen auszahlen, es werden vermehrt Arten gefunden und auch die Anzahl sei am Ansteigen. Beim anschließenden „Feldbegang“ wurden die Maßnahmen nochmals vor Ort dargestellt. Friedhelm Dickow berichtete von seinen Erfahrungen und betonte, dass es faszinierend sei, wie man gemeinschaftlich etwas entwickeln kann, was Landwirtschaft und Naturschutz zusammenführe. Beim Betrieb Dickow werden auf knapp 70 Hektar Weizen, Gerste, Mais und Kleegras auf konventionelle Weise angebaut, die in erster Linie der Versorgung der Tierhaltung dienen. Der Betrieb hält 120 Bullen sowie rund 1.600 Ferkel. Die betriebsnahe Biogasanlage, an der er beteiligt ist, liefert zudem Wärme und Ökostrom. „Für mich ist die wissenschaftliche Begleitung des Projektes sehr wichtig. Die Frage, ob und wie ein intensiv wirtschaftender Betrieb mit wirtschaftliche tragfähigen Naturschutzmaßnahmen zur besseren Artenvielfalt etwas beitragen kann, war meine größte Motivation zur Teilnahme - und es klappt!“

Beim Termin waren an Ehrengästen: Landrat Heinrich Trapp, Bezirks- und Kreisbäuerin Irene Waas, stellvertretende Kreisbäuerin Karolin Aigner, vom ALEF Monika Deubzer, vom BBV Geschäftsführerin Ingrid Ecker, Mitglieder der BBV-Kreisvorstandschaft.
 
Quelle: Dingolfinger Anzeiger
Datenschutz Impressum Rechtliche Hinweise