Waldnaturschutzpreis vergeben

"42 Fenster in die Zukunft"
 
Waldnaturschutzpreis vergeben: Gemeinde Marklkofen kann auf Wald in Poxau stolz sein

"Schützen und Nützen" schließen sich nicht aus, darin waren sich die Organisatoren und Redner am Freitagabend bei der Preisverleihung zum Wald-Naturschutz-Preis im Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten einig. "Wald-Natur-Schutz" sei ein fast dreifaltiger Begriff, sagte Karl Urban. Untermalt wurde seine lyrische Einstimmung von Harfenistin Johanna Kronberger. Der Wald spreche die Emotionen, die Empfindungen an, reize alle Sinne. Die Waldbauern, das beweise nicht zuletzt der Wettbewerb, zeigen auf mannigfaltige Weise, dass Schützen und Nützen für sie eine ganz natürliche Sache ist.

© AELF Landau a.d. Isar, Waldnaturschutzpreis 2015
Dr. Joachim Hamberger, Leiter des Bereich  Forsten am AELF, begrüßte unter anderem Landrat Heinrich Trapp, Bürgermeister Helmut Steininger, die Vertreter der Verbände, darunter Georg  Huber, Forstverwaltung Niederbayern, Eduard  Eder, WBV Landau, Karl Vilsmeier, WBV Reisbach,  Willi Haslbeck, FBG Aitrach-lsar-Vils und den Obmann des Bayerischen Bauernverbandes für den Landkreis Friedhelm Dickhoff. Weiterhin den Vorsitzenden der BJV Kreisgruppe Dingolfing Josef Spanner und Hans Einhelig, Vorsitzender der BJV Kreisgruppe Landau. Sein besonderer Gruß galt den Mitveranstaltern Walter Heidl, Vorsitzender der Bayerischen KulturLandStiftung und BBV-Präsident, Dominik Himmler, Geschäftsführer der Bayerischen KulturLandStiftung, für die Naturschutzverbände Dr. Elfriede Feicht, Landesbund für Vogelschutz, für den Bund Naturschutz Franz Meindl. Eine besondere Erwähnung fanden die Sponsoren der VR-Bank mit ihrem Sprecher Josef Hackl, VR-Bank Vorstand und Direktor.

Holz-Specht für die Hauptgewinner

Ein Holz-Specht, das Symbol des Preises, wurde an die drei Hauptgewinner übergeben. Er stehe für Schützen und Nützen, so Dr. Joachim Hamberger, dem Credo des Preises. "Im Wald ist er zuständig für den sozialen Wohnungsbau, denn er ist der einzige, der Höhlen machen kann", sagte er. "In diese ziehen ein: Meisen, Fledermäuse, Siebenschläfer, Wildbienen und viele mehr." Er und seine "Nachmieter" fressen jede Menge Borkenkäfer, erklärte Hamberger weiter. Dabei unterstützen sie den wirtschaftenden Menschen. "So trägt diese bunte und starke Gemeinschaft zur Stabilität im Wald bei." Dominik Himmler stellte die Frage in den Raum, was eigentlich "Waldnaturschutz" sei, und führte die Gäste in die Zeit seiner Kindheit. Mit fünf Jahren habe ihn der Großvater mit in den Wald genommen, dabei hatte er eine Handsäge. Dabei erklärte ihm der Großvater, dass einige Bäume noch Zeit bräuchten. Und in anderen Spechte wohnen und sie den Baum deshalb nicht fällen. Das habe ihn geprägt, so Himmler, und seinen Berufswunsch gefestigt. Er sagte auch, dass es schwierig für die Jury war die Kriterien aufzustellen - und sie zu bewerten. Die Bewertung erfolgte aus unterschiedlichen Perspektiven, wobei jeder seine eigenen Schwerpunkte mit einbrachte. VR-Bank-Direktor Josef Hackl erzählte, dass Dr. Hamberger kurz nach seinem Amtsantritt mit der Idee des Waldnaturschutz-Preises auf die VR-Banken zugekommen war. Nach einer längeren Diskussion im Kreisverband war klar: "Das passt zu uns", sagte er, "zu unseren Werten, zur genossenschaftlichen Idee, zu unserer Verwurzelung in der Region im Landkreis Dingolfing-Landau." Soziale, kulturelle und öffentliche Verantwortung nehme die VR-Bank nachhaltig wahr, sie gehöre zum Selbstverständnis. Der Waldnaturschutzpreis solle die Waldbesitzer anregen, die ökologischen Werte zu erhalten und zu pflegen, den Naturzustand zu verbessern und den Blick der Bevölkerung, das Bewusstsein auf ökologische wertvolle Flächen auszurichten und die private Initiative zu fördern. Den Gewinnern wurde ein Preisgeld von 500 Euro, 300 Euro und 150 Euro sowie ein Erinnerungsbild geschenkt. Und ein VR­Specht aus Holz, geschaffen von Kathy Limmer. Einen Hinweis hatte Hackl noch: Wer den Specht sehen möchte, könne dies im VR-Wald in Farnkofen - mit viel, viel Glück.

Eine Gratwanderung

"Die Entscheidung zwischen Nützen und Schützen ist bei wirtschaftlich denkenden Menschen eine Gratwanderung", sagte Dr. Elfriede Feicht, Landesbund für Vogelschutz. Sie kritisierte, dass immer mehr neue Industriegebiete geschaffen werden, auch wenn diese schützenswerte und bedrohte Vogelarten dadurch verdrängen und vertreiben. Das Wort "Nachhaltigkeit" sei in der heutigen Zeit seiner Bedeutung beraubt worden, sieht man sich die Verwendung beispielsweise in der Werbung an. Bei der Juryfahrt habe man einen besonderen Strukturreichtum in  den Wäldern gesehen, der auch gezeigt habe, dass Schützen und Nützen kein Widerspruch sein muss. Die Einsendungen, so Feicht, böten
© AELF Landau a.d. Isar, Waldnaturschutzpreis 2015
"42 Fenster in die Zukunft". Sie überreichte den dritten Preis an Christoph Lermer, Gemeinde Landau, Gemarkung Reichersdorf, mit dem "Märchenwald"; einer Fläche mit großer Totholztradition. Es sei "ein Zauberwald mit bizarren Baumformen, in denen man Tiere und Gesichter zu erkennen glaubt", heißt es in der Begründung. Es wird eine besondere Totholztradition gepflegt, die vielen seltenen Käfern das Uberleben sichert. "Was für manches Auge unaufgeräumt aussieht, ist von der Natur höchst selbst geordnet: eben, wild'." Willi Haslbeck, FBG Aitrach-Isar-Vils, stellte den zweiten Platz vor, ein Bestand mit Fichten, Buchen, Tannen mit naturnaher Waldverjüngung unter 70 bis 100 jährigem Fichten dominiertem Altholz von Lorenz Freiherr Klein von Wiesenberg, Gemeinde Mengkofen, Gemarkung Hofdorf. Der zweite Platz stehe im Zeichen des stabilen Mischwaldes. Naturnahe Waldverjüngung gehe einher mit regulärer Holznutzung und die Fläche stehe für den geglückten Umbau von instabilem fichtendominierten Beständen in klimastabile Wälder. Aus Sicht des Waldnaturschutzes seien die Buchen-Überhälter besonders hervorzuheben. "Mehrere haben vom Specht geschlagene Höhlen", sagte Haslbeck. "Diese dienen nicht nur Vögeln und Insekten als Unterkunft, sondern tragen auch als Mastbaum zur Ernährung diverser Tierarten im Winter bei". Den Preis nahm Johann Hambauer entgegen.

Der Wald am Schindloh

© AELF Landau a.d. Isar, Waldnaturschutzpreis 2015
Die Siegerfläche ist der Wald am Schindloh bei Poxau in der Gemeinde Marklkofen. Karl Vilsmeier, WBV Reisbach, stellte den Gewinner vor. Der Wald sei ausgesprochen wertvoll, weil er eine große Anzahl unterschiedlicher Baum- und Straucharten aufweist und viele Tierarten beherbergt. Auch gibt es mehrere Tümpel- und Feuchtflächen, die als Vogel- und Wildtränken dienen und in denen Frösche und Lurche zu Hause sind. Der Wald sei geprägt von einer großen Zahl alter und starker Bäume. "Eine vergleichbare Fläche ist im niederbayerischen Tertiären  Hügelland kaum zu finden", heißt es in der Begründung. Liegendes Totholz dient als Lebensraum für Insekten und  Pilze. Besonders wertvoll sei das stehende Totholz als Futterplätze für Schwarzspechte, Grünspechte und Buntspechte. Der Wald wird auch seit kurzem vom ersten Ganzeswaldkindergarten Niederbayerns genutzt. Den Preis für die Gemeinde Marktkofen nahm Peter Eisgruber-Rauscher entgegen.

Veränderter Waldschutz

© AELF Landau a.d. Isar, Waldnaturschutzpreis 2015
"Offenbar gibt es ein Miteinander von Waldnutzung  und Naturschutz", meinte Bürgermeister Steininger mit Blick auf die Preisträger. In den letzten Jahren hätte der Waldschutz viel Veränderung erfahren, das sei auch dem AELF Landau zu verdanken. Sie seien ständig unterwegs, um Waldbesitzer zu beraten und aufzuklären. "Es gibt viele Sieger, es gibt einen herausragenden Preisträger und einen Gewinner: den Landkreis", sagte Landrat Heinrich Trapp, Schirmherr des Waldnaturschutzpreises. Es gebe in der Arbeit mit dem Wald etwas philosophisches. Angedacht sei vom Landkreis für die Zukunft eine Rad-/Wanderkarte "Von Baum zu Baum" mit historischen und besonderen Bäumen, Wäldern und Naturschutzdenkmälern. Walter Heidl erzählte, dass er von der Idee des Waldnaturschutzpreises "ganz angetan" gewesen sein. "Ganz offen", sagte er, "es hat mich nicht gewundert."  Der Landkreis sei ein fruchtbarer Boden für besondere Projekte. Die Begriffe "Schützen" und "Nützen" dürfen  nicht lapidar nebeneinander gestellt werden, sie seien verbunden. "Schützen durch nützen", betonte er. "Weil es geht." Für das Jahr 2015, erklärte Eduard Eder, FV Niederbayern, in dem Staatsminister Helmut Brunner das "Waldnaturschutzjahr" ausgerufen hatte, wären "landauf, landab" viele Veranstaltungen gewesen. Einzigartig aber sei der Waldnaturschutzpreis. Es sei eine Chance gezielt etwas für die Umwelt zu tun. Diese Chance sei zu nutzen.

Quelle: Landauer Zeitung/Vilstaler Zeitung
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