Die Artenvielfalt auf unseren Äckern ist in den letzten Jahrzehnten massiv zurückgegangen. Zahlreiche Ackerwildkräuter stehen heute auf der Roten Liste der gefährdeten Arten. Das Projekt „Lebensfelder – Praxisstandards zur Wiederansiedlung von Ackerwildkräutern“ setzt hier an und erarbeitet bundesweite Standards, um diese Pflanzen in der Agrarlandschaft zu fördern. Die praktische Umsetzung der Sammlung, Vermehrung und Aussaat gefährdeter Ackerwildkrautarten im Modellgebiet „Südliches Frankenjura“ wurde bei einem Feldtag am 9. Juni 2026 vorgestellt.
Das Interesse an dem Feldtag im Rahmen des Projektes „Lebensfelder – Praxisstandards zur Wiederansiedlung von Ackerwildkräutern“ war groß: 44 Teilnehmende aus Landwirtschaft und Naturschutz erkundeten gemeinsam die Ackerflora des Frankenjuras rund um Titting im Landkreis Eichstätt. Diese konnten sich bei der Veranstaltung selbst davon überzeugen, welch wichtige Ökosystemfunktionen artenreiche Ackerwildkrautgesellschaften erfüllen: Sie bieten Lebensraum für Bestäuber und andere Tierarten der Feldflur, schützen angesichts des Klimawandels vor Erosion sowie starker Erhitzung und Austrocknung des Bodens und werten das Landschaftsbild auf. Doch viele Arten wie der Acker-Steinsame oder der Acker-Wachtelweizen sind heute selten geworden, da die Samenvorräte im Boden erschöpft sind und historische Verbreitungswege fehlen. Ohne gezielte Wiederansiedlungen ist ihr Erhalt daher in vielen Regionen kaum noch möglich.
Der erste Exkursionspunkt führte zum Feldflorareservat Pfleimberg, eine der wichtigsten Spenderflächen des Projekts für seltene Arten wie Acker-Steinsame Buglossoides arvensis, Finkensame Neslia paniculata und Gefurchter Feldsalat Valerianella rimosa. Der große Komplex extensiv bewirtschafteter, kleinparzellierter Kalkscherbenäcker zeigt, wie gut Ackerwildkrautschutz gelingen kann, wenn noch ausreichende Samenvorräte im Boden vorhanden sind.
Landwirt Jakob Bösl erklärte, mit welchen Anbaumethoden diese Vielfalt dauerhaft erhalten werden kann. Hierzu gehören unter anderem eine vielfältige Fruchtfolge ohne Düngung sowie ohne den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln. Sogar vom Aussterben bedrohte Arten wie das Flammende Adonisröschen Adonis flammea – eine absolute Rarität in Deutschland – konnten vor Ort bewundert werden.
Anschließend wurden die Anbaukulturen auf dem Betrieb Schmidmeier in Petersbuch besichtigt, der Saatgut für die Wiederansiedlung im Projekt gewinnt. Mit ihrem Know-How tragen die Landwirte Georg und Ludwig Schmidmeier seit 2024 zur erfolgreichen Samengewinnung der einjährigen Ackerwildkrautarten bei.
Am Projekt „Lebensfelder in Bayern“ nehmen insgesamt 11 Betriebe mit 12 Ackerflächen teil, die extensiv – das heißt ohne Einsatz von Düngung und Pflanzenschutzmitteln – bewirtschaftet werden. Zwei Projektflächen, sogenannte „Lebensfelder“, bei Kaldorf und Emsing wurden im Rahmen der Exkursion besucht.
Hier war zu besichtigen, wie gefährdete Arten erfolgreich in den Ackerbau integriert werden können und welche Herausforderungen auftreten können. Die Bewirtschafter Konrad Schneider und Matthias Pfaller berichteten detailliert von ihren Erfahrungen bei der Bodenbearbeitung, Aussaat von Kultur und Ackerwildkrautmischung sowie Ernteerträgen.
Die Projektbearbeitenden Dr. Marion Rasp und Felix Dötsch sowie die mit der Kartierung der Flächen beauftragte Dr. Gabriele Anderlik-Wesinger stellten die Ergebnisse der botanischen Vorkartierung (Jahre 2024 und 2025) und erste Ergebnisse der Wiederansiedlungsmaßnahmen (seit Herbst 2025) vor.
Trotz der zwischenzeitlich feuchten Witterung blieben das Interesse und die Diskussionsfreude der Teilnehmenden während der Veranstaltung ungebrochen. Ein ausführlicher Austausch fand etwa zu alternativen Methoden der Samengewinnung und -übertragung (Drusch- und Bürstgut), zur Keimungsbiologie und Bodensamenbank der Ackerwildkräuter, zu Ackerwildkrautschutz als Kompensationsmaßnahme und zur Regulation von konkurrenzstarken Problembeikräutern statt.
Einigkeit bestand bei den Teilnehmenden darin, dass der Bedarf für wirksame Erhaltungsmaßnahmen gefährdeter Ackerwildkräuter groß ist.
Die Pressemitteilung zur Veranstaltung kann hier heruntergeladen werden.